Tierschutz

Tierschutz in Nordhausen

Fragen des Landestierschutzverbandes Thüringen an mich und meine Antworten:

Die rein karitativen Tierschutzvereine in Nordhausen leisten eine unverzichtbare Arbeit, ergänzend zu den Aktivitäten des Tierheim Nordhausen e.V. . Ohne den Einsatz dieser Vereine wäre es für die Stadt erheblich schwieriger, ihre Pflichtaufgaben im Bereich Tierschutz zu erfüllen. Wie planen Sie, diese essenziellen Vereine, die oft ohne kommunale Unterstützung arbeiten, finanziell und strukturell zu fördern und ihre wichtige Rolle im Tierrettungs- und Pflegebereich zu stärken?

Für mich ist wichtig, dass Nordhausen eine aktive Rolle beim Tierschutz einnimmt. Die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Tierschutzverein ist entscheidend, um langfristige positive Veränderungen für Tiere zu bewirken. Die Möglichkeiten, speziell die finanziellen, sind allerdings begrenzt.

Unterstützung könnte ich mir aber folgendermaßen vorstellen:

  • Hilfestellung und Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln für bestimmte Projekte wie die Renovierung von Einrichtungen oder die Durchführung von Kastrationsprogrammen u.a.
  • Unterstützung bei der Sensibilisierung der Bevölkerung für Tierschutzthemen durch öffentliche Kampagnen und Veranstaltungen.
  • Ermutigung von Mitarbeitern der Verwaltung und Bürgern, ehrenamtlich im Tierschutzverein tätig zu werden.
  • Suche nach verbesserten Möglichkeiten Fundtiere zu vermitteln.
  • Eventuell Abschluss eines Partnerschaftsvertrages um Ressourcen und Fachkenntnisse zu teilen.
  • Unterstützung von Veranstaltungen wie Adoptionstage, Flohmärkten oder Spendenaktionen zugunsten des Tierschutzvereins.

Wie bewerten Sie die Tierhaltung von Wildtieren in Zirkusshows, die in vielen Orten umstritten und verboten ist? Wie ist Ihre Position zu solchen Darbietungen in Nordhausen, und beabsichtigen Sie, regulierend einzugreifen?

Die Haltung von Wildtieren in Zirkusshows ist seit langem Gegenstand von Debatten und Kontroversen. Ich persönlich bin gegen diese Form der Tierhaltung. Bei Darbietungen in Nordhausen muss eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt des Landkreises stattfinden. Die Stadt ist zuständig für den Standort und der Landkreis für die Überwachung der Haltung. Mittelfristig sollten Darbietungen mit Wildtieren generell untersagt sein. Die Stadt hatte dies bereits vor ca 4 Jahren in Erwägung gezogen, aber auf Grund höherer Einnahmen durch die Darbietung mit Wildtieren wieder verworfen.

Die Massentierhaltung in Nordhausen war in der Vergangenheit oft Anlass für Bedenken hinsichtlich des Tierwohls. Welche konkreten Schritte planen Sie, um sicherzustellen, dass in diesen Einrichtungen hohe Tierwohlstandards eingehalten und regelmäßig überprüft werden?

Hier hat nur das Veterinäramt des Landkreises Möglichkeiten einzugreifen und zu überprüfen. Anders sieht es aus, wenn z. B. bauliche Erweiterungen geplant sind. Hier wäre die Stadt im Rahmen der entsprechenden Genehmigungen (B-Plan usw.) gefordert und kann Einfluss nehmen.

Tauben in städtischen Gebieten sind keine Wildtiere, sondern Nachfahren verwilderter Haustiere. Wie bewerten Sie die Idee eines betreuten Taubenschlags in unserer Stadt? Wie stehen Sie zum aktuellen Fütterungsverbot der Tauben, welches ethische Fragen aufwirft und die Tatsache ignoriert, dass diese Vögel ehemalige Haustiere sind?

Die Tatsache, dass Tauben heute Stadtbilder prägen, führt zu geteilten Meinungen in der Bevölkerung. So gilt die Taube einerseits als Symbol des Friedens. Andererseits werden durch die zunehmende Ausbreitung von Stadttauben und die damit verbundenen Probleme Forderungen aus der Bevölkerung laut, die auf eine Beseitigung der Problematik abzielen. Die Fütterung der Tauben bewirkt leider nicht das beabsichtigte "bessere Leben" für die Tiere, sondern genau das Gegenteil. So werden die Tauben durch das reichliche Nahrungsangebot dazu veranlasst, auch im Winter zu brüten und sich damit noch stärker zu vermehren. Die hierdurch entstehende Populationsdichte führt zu Stresssituationen für das Einzeltier. Auch eine natürliche Nahrungssuche findet kaum noch statt, was Bewegungsarmut und Vitaminmangel zur Folge hat. Dadurch entstehen Krankheiten, die auf andere Tauben übertragen werden, was letztendlich dazu führt, dass regelmäßig beschickte Futterstellen sich zu Infektionsherden entwickeln können. Die natürliche Nahrung der Taube besteht hauptsächlich aus Körnern. In den Städten steht für die anpassungsfähigen Tiere aber heute der achtlos weggeworfene Wohlstandsmüll auf dem Speiseplan: Süßigkeiten, Pommes Frites, Schulbrote, Brötchen usw. Hierdurch kommt es zu einer Verfettung - die Gesundheit der Tauben leidet. Aber selbst schwache und kränkelnde Tiere leben durch das Überangebot an falscher Nahrung - anders als in der Natur - länger.

Die vielfältigen durch Tauben hervorgerufenen Schäden sind überwiegend durch den beträchtlichen Kotanfall bedingt. Das von den Tauben ausgeschiedene Urin-Kot-Gemisch ist sehr aggressiv und trägt zum Steinzerfall und damit zur Zerstörung der zum Teil historisch wertvollen Bausubstanz bei. Das Herauspicken von Mörtel aus den Mauerfugen kann auf Dauer zu weiteren Schäden führen.

Verwilderte Haustauben können zur Verbreitung von Krankheiten (u.a. Salmonellose) beitragen. Übertragungen auf Nutz- und Ziervögel, aber auch auf den Menschen, sind möglich. So stellen z.B. mit Taubenkot verunreinigte Kinderspielplätze und Verkaufsstände eine Gefahrenquelle dar.

Als wirksames und tierschutzgerechtes Mittel zur Begrenzung des Taubenproblems sehe ich letztlich nur der Verzicht des Fütterns, also eine Fütterungsverbot.

Die Idee eines betreuten Taubenschlags möchte ich allerdings nicht gleich verwerfen. Hier würde ich mir erst entsprechende Einschätzungen von verschiedensten Seiten vorlegen lassen, bevor ich eine Entscheidung treffen würde.

Welche Vision haben Sie für Nordhausen hinsichtlich nachhaltiger Ernährungspraktiken, die Tierschutz und Umweltschutz miteinander verbinden? Planen Sie den Ausbau von Angeboten für vegetarische und vegane Ernährung? Des Weiteren, welche Maßnahmen möchten Sie ergreifen, damit Nordhausen als tierfreundliche Stadt hervortritt? Wie wollen Sie das Bewusstsein für Tierschutzthemen, insbesondere bei der jungen Generation, stärken? Und zuletzt, wie gedenken Sie, die Durchsetzung von Tierschutzgesetzen zu intensivieren und gegen Tierquälerei und Vernachlässigung vorzugehen?

Die Beantwortung vieler dieser Fragen liegt nicht im Ermessensspielraum einer Kommune bzw. eines Oberbürgermeisters. Nordhausen als tierfreundliche Stadt kann ich mir gut vorstellen. Grundsätzlich sind dabei aber vier Bereiche zu unterscheiden: Tierheime, Wohnraum, Arbeitsplatz und Parks.

Mit unserem Tierheim haben wir bereits eine sehr gute Einrichtung und alle Mitarbeiter habe ich als absolut engagiert im Interesse des Tierwohls kennengelernt.

Im Bereich Wohnraum kann Nordhausen Einfluss über die SWG nehmen. Haustiere machen Menschen glücklicher und gesunder. Studien haben gezeigt, dass eine Mehrheit von Befragten Haustiere in der Nachbarschaft begrüßt. Wichtig ist allerdings dabei, dass Haustierhalter Verantwortung dafür tragen, dass sich ihrer Haustiere in das nachbarschaftliche Miteinander einfügen. Restriktive Richtlinien, welche Haustiere in Mietwohnungen zulässig sind und welche nicht, diskriminieren meist zu Unrecht. Wichtig ist nicht die Größe oder die Rasse eines Hundes, sondern Erziehung, und Erfahrungen des Tieres, so wie Pflege und Zuneigung durch den Halter.

Haustiere am Arbeitsplatz (Büro) können jobbedingten Stress abbauen. Ein Tier dorthin mitzunehmen, ist aber eher noch eine Seltenheit. Hier hat die Stadt keinen unmittelbaren Einfluss, außer durch eventuelle gezielte Kampagnen auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

Die Schaffung tierfreundlicher Grünflächen wäre wiederum eine Möglichkeit , wo die die Stadt handeln könnte. Bei der Planung ist es wichtig, die Bedürfnisse von Hundehaltern mit einfließen zu lassen. Umzäunungen wie zum Teil in Nordhausen schon erfolgt sind dabei denkbar oder die Installation von Hundekotbeutelspendern innerhalb des Stadtgebietes. Ebenso klare Beschilderungen um verantwortungsbewusstes Handeln zu ermöglichen. Ausgewiesene Hundeparks würden zudem den Austausch zwischen Hundebesitzern und damit die zwischenmenschlichen sozialen Bindungen. Haustiere sind ein wichtiger Teil der urbanen Gesellschaft und sollten daher auch ein Teil von städtebaulichen Überlegungen sein.